# Löslicher Transferrinrezeptor (sTfR)

> Referenzbereiche und klinischer Einsatz des löslichen Transferrinrezeptors (sTfR) im Anämie-Panel. Unterscheidet die Eisenmangelanämie von der Anämie chronischer Erkrankungen über den sTfR / Log-Ferritin-Index (Thomas-Index).

*Source: [https://www.health3.app/biomarkers/de/stfr](https://www.health3.app/biomarkers/de/stfr)*

Ein moderner Anämie-Panel-Marker, der die Eisenmangelanämie von der Anämie chronischer Erkrankungen unterscheidet.

### Auf dieser Seite

- Was sTfR misst
- Maßeinheiten
- Referenzbereiche
- Warum sTfR Teil des Anämie-Panels ist
- sTfR / Log-Ferritin-Index (Thomas-Plot)
- So interpretieren Sie Ihr Ergebnis
- Verwandte Biomarker & Tools
- Wissenschaftliche Quellen

## Was ist der lösliche Transferrinrezeptor?

Der Transferrinrezeptor (TfR1, CD71) ist ein Membranprotein, das es Zellen — insbesondere sich entwickelnden roten Blutkörperchen (Erythroblasten) — ermöglicht, Eisen aus dem Transferrin aufzunehmen. Wenn Zellen mehr Eisen benötigen, steigt die TfR1-Expression an der Zelloberfläche an, und ein lösliches, verkürztes Fragment wird in den Blutkreislauf abgegeben. Dieses zirkulierende Fragment ist das, was Laboratorien als **löslichen Transferrinrezeptor** (sTfR) messen.

Da die sTfR-Konzentration den gesamten zellulären Eisenbedarf widerspiegelt, steigt sie bei Zuständen einer echten eisendefizitären Erythropoese (Eisenmangelanämie, Hämolyse, beschleunigte Erythropoese) **an** und wird von einer Entzündung im Wesentlichen **nicht beeinflusst**. Genau diese letzte Eigenschaft macht sie im Anämie-Panel wertvoll: Ferritin, der standardmäßige Eisenspeichermarker, ist ein Akute-Phase-Protein und kann bei gleichzeitig bestehender Entzündung fälschlicherweise normal oder erhöht sein und so einen begleitenden Eisenmangel verbergen. sTfR ist der Marker, der "durch die Entzündung hindurchsieht".

## Maßeinheiten

sTfR wird in klinischen Laboratorien am häufigsten in **mg/L** angegeben. Einige Assays geben ihn in nmol/L oder als relatives Verhältnis an. Da die Referenzbereiche assayspezifisch und zwischen den Herstellern noch nicht harmonisiert sind, wird sTfR am besten anhand des auf dem individuellen Laborbericht angegebenen Referenzbereichs und nicht anhand einer generischen Tabelle interpretiert.

## Typische Referenzbereiche

Die Referenzbereiche sind assayabhängig. Die nachstehenden Werte sind häufig zitierte Bereiche für Erwachsene; die Referenzwerte Ihres Labors haben Vorrang.

| Population | Einheit | Typischer Referenzbereich | Quelle |
| --- | --- | --- | --- |
| Erwachsene (allgemein) | mg/L | 2.2 – 5.0 | Beguin, 2008 |
| Erwachsene (allgemein) | nmol/L | ~25 – 60 | Beguin, 2008 |

## Warum sTfR Teil eines modernen Anämie-Panels ist

Die klassische Anämie-Abklärung — großes Blutbild, Ferritin, Eisen, TIBC/Transferrinsättigung — funktioniert bei Patienten ohne Entzündung gut. Das Problem ist, dass viele Patienten mit Anämie *zugleich* eine Entzündung haben (Infektion, Autoimmunerkrankung, Malignom, chronische Nierenerkrankung, Adipositas), und eine Entzündung:

- erhöht Hepcidin, das Eisen in Makrophagen einschließt und das Serumeisen sowie die Transferrinsättigung senkt,
- erhöht das Ferritin (Akute-Phase-Protein), was einen begleitenden Eisenmangel maskieren kann, und
- verkürzt das Überleben der roten Blutkörperchen und trägt so zu einer normozytären, hyporegenerativen Anämie bei — dem Bild der **Anämie chronischer Erkrankungen** (auch Entzündungsanämie genannt).

Da sTfR von einer Entzündung nicht beeinflusst wird, bleibt er bei einer reinen Anämie chronischer Erkrankungen normal und steigt bei der Eisenmangelanämie an — auch bei Patienten, bei denen das Ferritin aufgrund einer Entzündung fälschlicherweise "normal" ist. Ein typisches modernes Anämie-Panel sieht daher wie folgt aus:

- Großes Blutbild (CBC) mit Erythrozytenindizes (MCV, MCH, RDW)
- Retikulozytenzahl (idealerweise mit Retikulozyten-Hämoglobingehalt, sofern verfügbar)
- [Ferritin](https://www.health3.app/biomarkers/de/ferritin.html)
- [Serumeisen](https://www.health3.app/biomarkers/de/iron.html) und TIBC (oder Transferrinsättigung)
- **Löslicher Transferrinrezeptor (sTfR)**
- CRP oder hs-CRP, um die Entzündung zusammen mit dem Ferritin zu beurteilen
- Vitamin B12 und Folsäure, falls eine makrozytäre Anämie vermutet wird ([Vitamin B12](https://www.health3.app/biomarkers/de/vitaminb12.html), [Folsäure](https://www.health3.app/biomarkers/de/vitaminb9_plasma.html))

## Der sTfR / Log-Ferritin-Index (Thomas-Plot)

Der einzelne nützlichste Wert, der aus sTfR abgeleitet wird, ist der **sTfR / Log-Ferritin-Index**, auch bekannt als Thomas-Plot:

`sTfR-F index = sTfR (mg/L) ÷ log₁₀( ferritin (µg/L) )`

Häufig verwendete Grenzwerte (Punnonen et al. 1997, Beguin 2008):

- **sTfR-F-Index < 1**: Anämie chronischer Erkrankungen (kein Eisenmangel).
- **sTfR-F-Index > 2**: Eisenmangelanämie (mit oder ohne begleitende Entzündung).
- Werte zwischen 1 und 2 stellen eine Zwischenzone dar — klinischer Kontext, Retikulozyten-Hämoglobin und CRP helfen, die Interpretation zu präzisieren.

Der genaue Grenzwert hängt vom sTfR-Assay ab, verwenden Sie daher den vom jeweiligen Labor empfohlenen Schwellenwert.

## Ein sTfR-Ergebnis verstehen

- **Hoher sTfR + niedriges Ferritin:** klassische Eisenmangelanämie.
- **Hoher sTfR + normales/hohes Ferritin + erhöhtes CRP:** durch Entzündung maskierte Eisenmangelanämie; der sTfR-F-Index ist erhöht.
- **Normaler sTfR + normales/hohes Ferritin + erhöhtes CRP:** Anämie chronischer Erkrankungen ohne Eisenmangel.
- **Hoher sTfR + normales Ferritin + keine Entzündung:** jede Ursache einer beschleunigten Erythropoese — behandelter Eisenmangel, Hämolyse, Erholung nach Blutverlust, hereditäre hämolytische Anämie oder Ansprechen auf eine Erythropoetin-Therapie.
- **Niedriger sTfR:** selten; kann auf eine aplastische Anämie oder eine chronische Nierenerkrankung mit verminderter Erythropoese hinweisen.

sTfR ist *kein* eigenständiger diagnostischer Test. Er ist am aussagekräftigsten, wenn er mit Ferritin (über den sTfR-F-Index) und einem Entzündungsmarker (CRP) kombiniert wird.

## Verwandte Biomarker & Tools

- [**Ferritin**](https://www.health3.app/biomarkers/de/ferritin.html)

 Der standardmäßige Eisenspeichermarker. Zusammen mit sTfR zu betrachten — Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein und kann bei einer Entzündung fälschlicherweise "normal" sein.
- [**Eisen (Serum)**](https://www.health3.app/biomarkers/de/iron.html)

 Spiegelt das zirkulierende, an Transferrin gebundene Eisen wider; zusammen mit TIBC ergibt sich die Transferrinsättigung.
- [**Eisensättigungsrechner**](https://www.health3.app/tools/iron-saturation-calculator)

 Berechnet die Transferrinsättigung aus Serumeisen und TIBC. Er wird zusammen mit sTfR und Ferritin für das vollständige Eisenbild verwendet.
- [**Bluttest-Einheitenrechner**](https://www.health3.app/tools/blood-test-unit-converter)

 Rechnet sTfR und andere Biomarker zwischen gängigen Laboreinheiten um.

## Wissenschaftliche Quellen

1. Skikne BS, Flowers CH, Cook JD. Serum transferrin receptor: a quantitative measure of tissue iron deficiency (1990). *Blood*. [DOI: 10.1182/blood.V75.9.1870.1870](https://doi.org/10.1182/blood.V75.9.1870.1870)
2. Punnonen K, Irjala K, Rajamäki A. Serum transferrin receptor and its ratio to serum ferritin in the diagnosis of iron deficiency (1997). *Blood*. [DOI: 10.1182/blood.V89.3.1052](https://doi.org/10.1182/blood.V89.3.1052)
3. Weiss G, Goodnough LT. Anemia of chronic disease (2005). *New England Journal of Medicine*. [DOI: 10.1056/NEJMra041809](https://doi.org/10.1056/NEJMra041809)
4. Beguin Y. Soluble transferrin receptor for the evaluation of erythropoiesis and iron status (2008). *Haematologica / Clinica Chimica Acta*. [DOI: 10.1016/S0009-8981(03)00101-0](https://doi.org/10.1016/S0009-8981(03)00101-0)

### ⚠️ Wichtige medizinische Informationen

Diese Referenzseite dient ausschließlich Bildungszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.

Die sTfR-Referenzbereiche und die Schwellenwerte des sTfR/Log-Ferritin-Index sind assayabhängig und zwischen den Herstellern noch nicht vollständig harmonisiert. Besprechen Sie Ihre Laborergebnisse stets mit einer qualifizierten medizinischen Fachkraft anhand des auf Ihrem Bericht angegebenen Referenzbereichs.
